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VeitFAQ #03 - 5 Fragen. 5 Antworten.

Author Robert Ampoitan
Date 24 Mrz 2021
Category VeitFAQ
VeitFAQ 5 Fragen 5 Antworten Blog Veit Lindau

Transkript:


Thomas:

Hallo an alle Zuschauer da draußen und hallo Veit, seid gegrüßt zu VeitFAQ Nr. 3. Bevor wir gleich starten, möchte ich kurz ein herzliches Dankeschön an alle sagen, denn das, was uns bereits jetzt schon an Fragen von euch erreicht hat, war echt unglaublich. Macht weiter so! Dann können auch Veit und ich weitermachen. Vielen Dank dafür. Veit, du bist startklar? 

Dir liegt etwas auf der Zunge oder du wolltest schon immer etwas von Veit wissen?
Dann hast du jetzt die Gelegenheit dazu.

Frage 1: Woher kennen wir – Ich – Thomas und du Veit, uns eigentlich?

 

Veit:

Uns hat Marko miteinander in Kontakt gebracht. Ein Guter Freund und Geschäftspartner von uns beiden. Genau. Ich kann mich noch gut erinnern, als du das erste Mal hier warst. Ja, hier in Baden-Baden. Und was mir immer wichtig ist, Ich hatte das Gefühl, du hast etwas was drauf in dem, was du machst und du bist ein Mensch mit Herz.

Thomas:

Danke. Wir kennen uns jetzt auch schon seit zweieinhalb Jahren. Wie die Zeit vergeht. Mal schauen, wie lang wir in Zukunft noch miteinander harmonieren. Ich freue mich auf jeden Fall. Cool.
Wir hatten grade schon ein bisschen drüber gequatscht im Vorfeld am Lockdown in Deutschland, an mir selbst, aber auch in meinem Freundes und Bekanntenkreis stelle ich immer mehr fest, wie diese ganze Einschränkungen jetzt so wirklich an die Substanz gehen. Täglich müssen wir einfach auf vieles verzichten und es gibt nicht wirklich so, den Anker, an dem wir uns orientieren können.

Frage 2: Wonach ist die Sehnsucht bei einem Veit Lindau aktuell am größten?

 

Veit:

Nach noch mehr Hebelwirkung mit weniger Arbeit. Ich bin  grad sehr dabei, meinen kompletten Alltag aus einer Metaperspektive und gleichzeitig aus so einer Mikro Perspektive zu analysieren. Also wo arbeite ich mit einem unnötig großen Hebel. Wo verschwende ich Zeit und Energie? Also ich arbeite unglaublich gern und ich glaube dennoch, dass es an ganz vielen Stellen leichter und eleganter geht und dass ich dadurch gleichzeitig auch noch mehr bewirken könnte.

Thomas:

Du hast wahrscheinlich jetzt in diesem Schritt viel in Bezug auf Digitalisierung gelernt und viel von deinen Inhalten, die du eigentlich so auf der Bühne verteilst, jetzt ins Online-Business übertragen.

Veit:

Für uns, als Corona kam, waren wir sozusagen schon richtig gut aufgestellt. Für uns ist relativ einfach zu switchen von einem Bereich in den anderen. Logisch war das auch im letztem Jahr. eine echt neue Erfahrung für mich. Ich hatte/habe Ausbildungen mit, zum Teil vielen Hundert Menschen. Also ob das überhaupt online funktioniert? Es war eine gute Herausforderung. Wir haben ganz viel gelernt dabei und das alles läuft super. Ich freue mich drauf, wieder mal so richtig live auf einer Bühne zu stehen und realen Menschen real in die Augen schauen zu können.

Thomas:

Aber hast du auch so eine Frustration in dir? Trägst du so eine Frustration jetzt aktuell oder gibt dir die Situation doch so viel, weil du so viel Gutes bewirken kannst?

Veit:

Ich bin eher so ein Typ… also ich kann kurzfristig extrem ärgerlich sein und frustriert. Aber ich versuche es dann relativ schnell die Energie umzuwandeln in Schwung-Energie. Also bei uns ging es ziemlich schnell. Das hat vielleicht 14 Tage gedauert.Damals 2020, dass wir gesagt haben Okay, so ist es jetzt. Und logisch haben wir auch immer mal wieder mit Herausforderungen zu tun. Wir müssen Seminare absagen. Wir müssen reisen absagen etc.. Aber ich versuche nicht über etwas frustriert zu sein, was ich eh nicht ändern kann. Sonst steckt die Power wirklich darin, das Beste aus der Situation rauszuholen. Ich bin so ein Typ, wenn ich etwas machen darf was Sinn macht. Gerade im letzten Jahr haben wir wirklich den Menschen auf unserer Plattform sehr helfen können und dann kann ich relativ taffe Umstände gut hinnehmen. Also ich sehe dann eher die Challenge als die Strafe.

Frage 3: In uns tragen wir ein Denkhirn und ein Fühlhirn. Beide sind an all unseren Entscheidungen beteiligt. Wer hat bei dir so die Oberhand?

 

Veit:

Es ist witzig: Ich habe grad am Wochenende ein Ausbildungsblock in unserer Live-Trust Coaching Ausbildung gemacht. Da ging es ganz viel darum. Die Frage ist ganz einfach beantwortet: Fast immer das Gefühlshirn und die Neurowissenschaft hat das mittlerweile hundertprozentig bewiesen. Selbst die Menschen, die glauben, dass sie sehr analytisch oder vernünftig werden, da trickst uns unser limbisches System aus.. Im Laufe der Zeit durch all diese Erkenntnisse immer mehr realisieren zu müssen, dass wir viel weniger Spielraum haben, als wir denken. Und gleichzeitig wird es dann eigentlich noch spannender. Okay, wie kann ich diesen kleinen Spielraum, den ich habe, nutzen? Wie kann ich dieses Dilemma, was wir Menschen in uns tragen, dass wir uns so viel erklären können und gleichzeitig letzten Endes so viel gesteuert werden. Wie kann ich das auch mit möglichst viel Humor nehmen?

Thomas:

Und ich glaube, das Thema Bauchgefühl ist da eigentlich auch sehr, sehr entscheidend. Also ich dachte eigentlich immer, ich bin ein sehr rationaler Mensch, der mit dem Kopf entscheidet. Aber je älter ich werde und je mehr ich mich selbst reflektiere, merke ich okay, prinzipiell war mein Fühlhirn schon immer Millisekunden vorher da, bevor ich dann irgendwie eine Entscheidung übers Denkhirn revue passieren hab lassen. Ich denke aber auch, es ist viel Bauchgefühl dabei, dass uns aber auch sagt Okay, es ist etwas richtig oder falsch.

Veit:

Ich glaube, die Challenge heutzutage ist, dass die meisten von uns, so Reizüberflutet sind und wirklich krass irritiert sind in ihrem Fokus. Also z.B. durch soziale Medien, durch diese ganze Informationsflut, dass viele Menschen glaube ich diesen, du nennst es Bauch, ich nenne es Instinkt für das Richtige, für das Gute. Ich glaube hundertprozentig, dass wir den haben. Aber der wird halt an ganz vielen Stellen krass irritiert.

Das heißt, wir sind ganz oft nicht damit verbunden, was für mich z.B. auch immer so ersichtlich ist, wenn wir ein Stille-Seminar anbieten, in dem die Menschen, die da hinkommen, einfach mal für eine Woche die Klappe halten. Keine Medien, keine Handys etc. Wie schnell sich eigentlich wieder so eine Präsenz einstellt, die ganz genau weiß okay, das gehört nicht mehr in mein Leben. Das gehört nicht mehr meinem Leben. Davon brauche ich mehr.

Thomas:

Funktioniert das? Ja, also ich meine, bei den Menschen, die zu dir kommen musst du denen das Handy wegnehmen oder gibt’s da dann einen Bereich, wo einfach kein WLAN und kein Empfang ist? Also ich stell mir das teilweise echt schwierig vor, wenn man sein Gerät dann komplett vielleicht in die Tasche, Schublade legt oder was auch immer und man sagt nach 7 Tagen darfst du wieder kommen, dann geb ich’s dir zurück.

Veit:

Ja also tatsächlich hab ich das früher so gemacht und dann hab ich gemerkt, dass es viel powervoller ist, wenn ich die Entscheidung den Menschen selbst überlasse. Die Menschen reisen ja zum Teil über tausende von Kilometern zu diesem Seminar an, die bezahlen Geld dafür und die kommen ja schon auch mit einer starken Motivation. Und es ist nicht so, dass ich einfach nur sage “Hey, lass es weg”, sondern ich erkläre es auch. Ich erkläre, was es mit dem Gehirn macht etc. Da kann ich für jeden sprechen. Manch einer guckt dann vielleicht doch heimlich aufs Handy, aber ich glaube, dass die meisten sich wirklich daran halten. Und das spürst auch im Raum. Also wenn 100 Menschen mal für ein paar Tage nicht reden, nicht ins Internet gehen. Du spürst einfach, wie sich Bewusstsein wieder ansammelt.Du merkst es an der Qualität der Fragen, die gestellt werden. Du merkst das an dem Blick, dass es zu deiner Frage von vorhin mit dem Wie sehr sind wir eigentlich fremdgesteuert durch Gefühle, durch unser limbisches System? Das ist die die gute Nachricht: Also wir haben die Möglichkeit, diese Millisekunde, von der du ja auch gerade gesprochen hast, quasi zu denen durch Achtsamkeit, durch Meditation und dann die Möglichkeit zu sagen okay, warte mal ganz kurz, ist es wirklich die beste Entscheidung?

Thomas:

Du hattest gerade gesagt  100 Menschen oder wie viel sind dabei dir? Die reden nicht. Also unterhält man sich tagsüber nicht oder gibt’s da bestimmte Uhrzeiten? Wie kann man sich das vorstellen?

Veit:

Nee, die Menschen unterhalten sich gar nicht. Es gibt zweimal am Tag eine Runde mit mir. Da können Fragen gestellt werden. Aber ansonsten stell dir das vor, den größten Luxus überhaupt: Du musst niemandem erklären, wie du heißt, wo du herkommst, wie viele Kinder du hast. Du musst nicht mal jemanden anlächeln.Du musst nicht mal guten Tag sagen, sondern kannst einfach nur unhöflich die Klappe halten. Ist powerful wirklich und das Interessanteste am ersten Tag denken. Denken manche “Oh Gott… ich muss doch aber hier ein bisschen social leisen etc.. Und am Ende sagen die meisten … Ich bin den Menschen hier in diesem Raum, in der Stille eigentlich viel näher gekommen als durch das ganz viele Gebabbel, was ich ansonsten habe.

Thomas:

Du hast ja gerade gesagt, dass man durch diese Stille sich , als wenn man jetzt miteinander reden würde. So dieser Smalltalk würde ich mal sagen. Und was ist da so dein Eindruck? Also nach diesen sieben Tagen?Da gibt’s ja bestimmt irgendwie ein Ritual, das ihr da durchführt. Sind sich die Menschen dann tatsächlich näher, auch wenn sie reden. Also ich meine, man hat sich ja eine Zeit lang aneinander gewöhnt. Man hat den gleichen Kurs durchgemacht und ich glaube, es schwingt sich dann auch einfach so ein Stück weit mit ein. Über diese Tage hinweg. Und ich kann mir vorstellen, dass dann diese innere Spannung dadurch einfach weg ist.

Veit:

So unterschiedlich, also gerade so bei Menschen, die das erste Mal so eine Erfahrung machen, dass es auch oft noch so danach so ein bisschen wie: “Oh, ich kann jetzt endlich reden und jetzt will ich dir doch Fragen stellen etc.” Also du, du merkst es, wenn Menschen öfter in solche stille Retreats gehen, dass sie eigentlich, auch wenn diese stille Regel aufgehoben ist weiter still bleiben. Es gibt nicht wirklich was zu sagen.Ich mag das unglaublich. Das ist übrigens auch der Grund, ein nicht der Grund, aber der Auslöser, warum Andrea und ich geheiratet haben. Weil ich mit ihr, wir waren schon 6 oder 7 Jahre zusammen, in einem zehntägigen stille Retreat gesessen habe. Also Sie auf der einen Seite, da wo die Frauen saßen, ich auf der anderen Seite. Wir haben 10 Tage nicht miteinander gesprochen und in diesen zehn Tagen – wir wollten nie heiraten…n diesen 10 Tagen ist bei mir so klar geworden ok. Hey, du hast hier eine Frau gefunden, mit der du still sein kannst und, dass die unglaublich diszipliniert sitzt und meditieren kann. Und da war mir irgendwie klar. Okay, also mit so einer Frau kannst du wirklich durch dick und dünn gehen. Witziger Weise hatte sie genau denselben Impuls, auch als sie wusste, ohne dass wir miteinander gesprochen haben… Sie wusste danach, dass ich Ihr einen Heiratsantrag machen würde. Das zum Thema Kommunikation.

Thomas:

Toll die nonverbale Kommunikation, ein starkes Stück.

Frage 4: Die kommt von Susanne: Und die hat gefragt wie hast du das Meditieren angefangen?

 

Veit:

Das ist witzig, Susanne. Ich wollte nie meditieren. Ich bin auch heute noch ein Typ, der, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht gern meditiert. Weil ich gerne unterwegs bin, bin gerne in Action und Meditation ist ja auch erst einmal alles anhalten. Also wenn ich dann sitze, ein paar Minuten genieße ich es ungemein. Aber ich habe fast immer noch im Vorfeld diese Schwellen. Okay, jetzt. Und ich bin zum Meditieren gekommen, weil ich vor.über 30 Jahren mit einer Frau frisch verliebt war … also wirklich ganz frisch verliebt. Wir waren so 14 Tage zusammen und dann sagte sie mir “Du, Ich werde übrigens gleich in so ein 10 Tages Retreat die buddhistische Form der Meditation gehen” und ich habe getiltet innerlich, weil ich mir nicht vorstellen konnte, sie jetzt loszulassen. Also bin ich mitgefahren. Ich hatte nur eine sehr naive Vorstellung davon. Ich dachte, wir sitzen hier ein bisschen rum, visualisieren ein schönes blaues Licht und sie hat mir zum Beispiel nicht gesagt, dass ich 10 Tage lang nicht mit ihr sprechen darf, dass ich sie nicht mal sehen werde, weil sie hat dort in der Küche gearbeitet. Also ich habe plötzlich 10 Tage lang auf dem Arsch gesessen, habe überhaupt keine Stille gespürt, sondern meine ganze angesammelte Wut aus all diesen Jahren. Das war mein Einstieg in die Meditation.

Thomas:

Okay. Und danach warst du dann in einem Flow oder musstest das dann alles rausbrüllen?

Veit:

Kannst du nicht. Das ist für mich die Kunst der Meditation: Egal wie heiß es in dir wird. Du lernst, es zu halten. Du lernst, das zu halten und nicht rauszulassen. Und ich sage mal, die ersten 5 Tage waren wirklich die Hölle für mich, weil ich wirklich dachte, ich mache was falsch.

Ich hab dem Meditationslehrer immer gesagt, wann immer ich nach vorne kam: “Irgendwas kann nicht stimmen? Es kann einfach nicht sein. Ich werd nicht friedvoll, Ich seh kein Licht, Ich spür bloß die unglaubliche Wut in mir.” Der hat einfach nur gegrinst und gesagt. “Super, super, super, super.” Und dann hab ich realisiert, dass die Wut nicht durch die Meditation kommt, sondern dass ich die Wut in meinem System hab, die ganze Zeit und das war so der Switch:

Und da hab ich auch begriffen, dass Meditation für mich der Weg in die Freiheit ist. Also ich mag es auch, Dinge auszuleben. Ich habe auch z.B. früher in Bio Energetik meine Wut wirklich raus gebrüllt etc.. Aber das was mir letzten Endes hilft wirklich frei zu sein, ist dieses absolut in der Präsenz bleiben, egal was ich fühle und nichts damit machen und dann einfach dabei zuschauen, wie es wieder geht.

Thomas:

Okay, kanalisierst du es dann in deiner Meditation oder wie gehst du dabei vor?

Veit:

Ist eine gute Frage, weil also ich sag jetzt mal, wir haben ja zwei Extreme mit Gefühlen umzugehen.Das eine Extrem ist, du unterdrückst es. Das andere Extrem ist, du lebst es aus. Viele Menschen denken ausleben würde etwas verändern. Ausleben verstärkt im Endeffekt das neuronale Muster. Also wenn ich immer wieder, wenn ich Wut habe, es auslebe aus auslebe, wird das eigentlich immer tiefer. Der Mittelweg ist Du sitzt.Du bleibst bei dir. Du findest den Fokus. Bei Vipassana zum Beispiel beginnst du mit deinem Atem und gehst den ganzen Körper durch und wenn z.B. Wut kommt… also bei mir wird es dann hier mal brutal heiß und logisch kommen dann die Gedanken “Veit, muss ich jetzt aufstehen, Du musst noch etwas machen und boxen etc..” Und was du aber lernst in dieser Meditation, du bleibst in dieser Hitze. Ja, du fühlst sie hier. Ja, du gehst nicht in Mindfuck Was passiert hier? Sondern du führst und du gehst. Was eigentlich? Genau das Gegenteil von dem, was uns die Gesellschaft beibringt. Die Gesellschaft sagt alles, was unangenehm ist, weg. Und du sagst ich gehe rein, rein, rein, rein gehen. Man merkt plötzlich, dass diese Wut eigentlich ganz, ganz viele Schichten hat.

 Also für mich war es zum Beispiel wichtig zu realisieren, ich habe eigentlich gar nicht wirklich Wut, sondern unter dieser Wut ist ein ganz tiefer Schmerz, den ich durch diese Wut schütze. Und unter dem Schmerz ist eine ganz tiefe Ohnmacht. Und ja, so fühlst du, dass Schicht für Schicht, für Schicht und dann merkst du wirklich wieso. Es gibt so wie so ein Release immer wieder und dann geht es, was nicht heißt, dass es nicht wiederkommt.

Thomas:

Wenn ich mir das vorstelle, okay, ich versuch mal so dieses Impulsive Wut Gefühl aufkommen zu lassen in der Meditation. Ich setze mich hin. Ich mach das Ganze begleitet durch die entsprechende Musik, ja, und spüre diese Wut. Wie arbeite ich mich durch diese Wut? Lasse ich sie einfach zu oder gehe ich mit dem Kopf gegen diese Wut und sage ich irgendwie Hey, ja, du bist da. Aber mir geht’s gut. Warum bist du da? Also gehst du da gedanklich durch diese Wut durch? Oder wartest du einfach so lange, bis sie sich auflöst.

Veit:

Also es gibt ganz verschiedene Ansätze und deswegen ist es extrem wichtig, wenn du zum Beispiel sagst ich will Meditation lernen, dass du dir erst einmal genau anguckst was gibt es für Meditationen? Es ist ganz wichtig. Also bei dem, was ich gerade beschrieben habe. Das könnte die klassische Achtsamkeitsmeditation und die Idee dahinter ist also nicht die Idee, sondern die Tatsache ist. Also gut, hat sie eine emotionale Komponente oder eine mentale Komponente was weiß ich … du denkst darüber nach wer mich wütend gemacht hat et cetera. Und sie hat immer auch eine physische Komponente. Also wenn du wütend bist, gibt’s irgendwo eine Reaktion in deinem Körper. Ja, so und was? Die meisten Menschen gieren es aus dann ist der Druck weg. Aber das neuronale Muster ist immer noch da.

Oder aber wir analysieren es, was total wertvoll sein kann. Also z.B. ich habe eine geführte Meditation herausgebracht. Da geht’s darum, dass ich sage “okay, ich bin jetzt wütend. Ich spreche mit der Wut. Ich finde raus, was sie will” etc. Das ist total wertvoll. In der klassischen Achtsamkeitsmeditation geht’s aber nicht darum, irgendwas mit der Wut zu machen. Es geht auch nicht darum zu sagen, ich hole jetzt ran, sondern du sitzt im Grunde genommen einfach nur präsent und du guckst, welcher Gast kommt. Manchmal kommen einfach nur Frieden, manchmal kommt Wut, manchmal Traurigkeit, manchmal Extase. So und dann brauchst du einen Anker. Du brauchst einen Punkt, wo du es beobachtest weil ansonsten gehst unter im Kopf. Im Vipassana ist es halt Du beginnst wirklich mit der Nase, mit dem Atem. Das hilft dir, dich zu fokussieren. Und selbst da merkst du schon, wenn du wütend bist. Der Atem verändert sich. Du fängst an zu schniefen. Und das nicht zu bewerten, nicht zu sagen, das ist schlecht oder auch nicht zu sagen “Ich will das jetzt weghaben. Ich will das weg therapieren.” Nee, du beobachtest, du entwickelst einen Zeugen. Und das Spannende ist halt, wenn du wirklich in dieses Zeugenbewusstsein gehst.

Wir sprechen jetzt von einer gewissen Praxis Reife in Meditation. Da machst du halt tatsächlich Erfahrungen, dass die Dinge alle kommen und gehen. Das heißt, du musst eigentlich gar nichts machen. Und das ist für mich, also ich weiß gar nicht, wie ich Buddha je dafür danken könnte, also eine so elegante Erkenntnis und eine so elegante, hochwirksame Methode, die einfach überall funktioniert. Weißt du, dafür brauchst du kein Buch, kein Räucherstäbchen etc., kannst du einfach überall machen. Und interessanterweise ganz kurz vielleicht noch. Wir haben hier vorhin über Großhirn und limbische System gesprochen.Das Problem ist wirklich, dass die meisten Menschen unser Wille, – spring jetzt ein bisschen… Unser bewusster Wille, also sozusagen die Kraft in dir, die zum Beispiel sagt Ich will mich heute nicht streiten, ich will mich heute nicht aufregen.Die sitzt hier vorne und präfrontalen Kortex und der ist beim untrainierten Menschen nach 20 bis 30 Minuten einfach erschöpft. D.h. wenn er morgens aufsteht sind das ein paar Gespräche. Deine Kinder ziehen sich an, dann läuft vielleicht noch das Radio, dann gehst du eigentlich aus der Tür raus und das Ding ist erschöpft und dann übernimmt das limbische System. Dann übernimmt der Autopilot. Was Meditation macht, also das es erwiesen ist, ist die Fähigkeit im präfrontalen Cortex den Fokus zu halten. Also wirklich einfach hier zu bleiben bei dem was ist zu stärken. Heisst du gehst nicht mehr durch das Kaufhaus des Lebens, bist zu ablenkbar, sondern bleibst wirklich bei dir. Du bleibst bei dir. Deswegen bin ich, was das betrifft, sehr obsessiv im Predigen und im Inspirieren, weil ich mir also aus meiner Sicht sage, irgendeine Form von Meditation zu erlernen, wird überlebensnotwendig für die nächsten zehn bis 20 Jahre sein.

Thomas:

Also das was du beschreibst, kenne ich sehr aus dem Sport. Ich mache sehr viel Sport. Und diese mentale Stärke kenne ich beim Ausdauersport. Z.B. gibt’s die Burpees, du machst 100- 200 Burpees und das ist echt schon ne krasse Belastung und gehst dabei aber noch zB. Zahlen durch im Kopf, um den Fokus zu halten und einfach z.B. mitzuzählen, zu multiplizieren usw. deine Wraps, also deine Wiederholungen. Und man sagt ja auch wenn du das durchziehst, deinen Sport, und gleichzeitig noch deinen Kopf anstrengst, stärkst du genauso dein mentales Denken.

Wenn jetzt jemand Interesse hat in Bezug auf die Meditation aber nichtweiß, welcher Typ er ist, gibts da irgendwie so eine Hausregel, wo man sagen kann probiere dies, du bist eher der, der, der Typ.

Veit:

Ne, also weil ich auch der Meinung bin, dass meiner Erfahrung nach musst du so eine Methode mindestens 6 Wochen ausprobieren. Es gibt Leute, die haben am Anfang gleich irgendwelche ganz tollen Erfahrungen. Da kannst schon damit rechnen, dass die eventuell relativ bald enttäuscht sind. Aber erfahrungsgemäß ist es so…Du musst 6 Wochen auf deinem Arsch sitzen. Also ich sag jetzt mal Minimum 20 bis 30 Minuten jeden Tag, bis du ein Gefühl dafür bekommst: “Was macht das eigentlich und warum? Und liegt mir das?” Also einfach überall mal reinschnuppern. Ich finde es auch extrem wichtig wer ist der Lehrer oder die Lehrerin? Also man kann Methoden, auch die richtig gut sind, auf eine schräge Weise unterrichten. Es lohnt sich zu jeder der Methoden, die du in Betracht ziehst, zumindest zu googlen oder ruhig auch mal mit jemanden zu sprechen, der das kennt. Weil das sind wirklich sehr unterschiedliche Wirkungen. Und wenn du es lernen willst, bin ich der Meinung, brauchst du als Einstieg irgendeine Form von konzentriertem Seminar, also etwas, wo dir die Grundtechniken erklärt werden und wo du aber auch wirklich das, was wir am Anfang hatten, für ein paar Tage wirklich abseits von Reizen erstmal so eine Tiefenwirkung schaffst, damit du überhaupt eine Erfahrung davon hast wie powerful es sein kann.

Thomas:

Also ich betreibe jetzt Meditation nicht wirklich, aber vielleicht ein kleiner Einblick in meinen Alltag, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe. Ich mache morgens meinen Sport und power mich da aus. Danach setze ich mich im Prinzipien hin und versuche so diese Vorphase der Meditation zu kommen. Also ich gehe in diesen klassischen Schneidersitz. Das hat mir meine Frau beigebracht, die kennt sich da schon besser aus.Und dann aber die Augen zu schließen und mir ganz einfach morgens klarzumachen: “für was bin ich jetzt dankbar?”. Und das ist schon so ein Punkt, wo ich sehr in mich gehe und einfach auch kleine Dinge, die ich sonst eigentlich gar nicht auf dem Schirm habe, mehr hervorzuholen und dafür aber auch konkret dankbar zu sein. Ich finde das ist auch ein Stück weit meditativ. Weil es mir zu innerer Ruhe verhilft, mich an solchen Kleinigkeiten ja auch erfreuen zu können.

Veit:

 Also Dankbarkeit – Das klingt ja mal so abgedroschen, ist einer der powervollsten schnell Interventionen für dein Gehirn und für dein Gemüt.

Thomas:

Interessante Einblicke. Ich denke, auf deiner Website hast du dazu auch noch die eine oder andere Information zur Meditation?

Veit:

Da gibt’s einen Text dazu und für jemanden der es ausprobieren will… wir haben z.B. n auf Homodea einen ganzen Kurs dazu: “Kraft der Stille”. Dort kann man auch erstmal sich das Vorbereitungs Video anschauen. Da kriegt man glaub ich ein ganz gutes Gefühl dafür.d

Thomas:

Guter Einstieg. Ok. Prima. Jetzt sind wir ganz schön abgeschweift.

Frage 5: Und ich glaube, die passt auch ganz gut zum Thema Meditieren, nämlich in welchen Situationen Veit, kommt deine Arschlochseite in dir so richtig zum Vorschein? 

Veit:

Am meisten leidet ganz sicher Andrea darunter. Kurze Nebenstory:

Ich glaube wir waren ja zusammen oder so, da waren mir bei so einem Paar-Astrologen und er hat unsere Horoskope gesehen, dann hat er die Hände übereinandergelegt und dann ist er still geworden und dann hat er gesagt. “Ich empfehle, dass ihr sehr schnell anfängt meditieren zu lernen, weil eure Horoskope wie Minenfeldern füreinander seid.”
Und das ist besser geworden, viel besser. Ich sage jetzt mal Andrea kriegt es definitiv am meisten ab. Ich bin unglaublich ungeduldig. Auch das ist besser geworden. Aber wenn ich z.B. in einem Meeting sitze und ich hab das Gefühl, ich habe in der Sache drei, viermal erklärt und es wird nicht verstanden … und das ist so ein Punkt, was wirklich eine mega Herausforderung ist für mich. Wenn ich Vorträge halte… also musst dir vorstellen, dass ich diese halbe Stunde davor.bringe ich mich sozusagen mit der ganzen Energie auf so einen Peak Point. So, und wenn ich dann in den Raum reinkomme und z.B. der Tontechniker einfach das Mikro abfuckt.

Na ja, also ich bin mittlerweile viel, viel besser darin, das dann mit mir auszumachen und die Erstreaktion so nicht an den anderen auszulassen, aber das sind so Momente, wo es kommt.

Thomas:

Danke dir Veit. Das waren heute 5 Fragen, 5 Antworten. Vielen Dank an dich und liebe Leute, das war VeitFAQ Nr.3

Wenn ihr Fragen habt, richtet sie gerne an veitfaq@veitlindau.com. Veit, Herzlichen Dank und wir sehen uns spätestens wieder in zwei Wochen. Macht’s gut bis dahin.

Bitte beachten:
Wenn du allgemeine Fragen hast oder Veit schon immer was sagen wolltet, dann sende deine Nachricht gerne an service@livetrust.info.