Veits Blog

Human Angels – Geschenke des Himmels – Lehrer des Lebens

HUMAN ANGELS

Geschenke des Himmels – Lehrer des Lebens

2

 

Ein Vorwort von Veit Lindau

Meine Arbeit als Autor beglückt mich seit einigen Jahren sehr und lehrt mich auch immer wieder wichtige Dinge. Zum Beispiel, dass du dich für manche Bücher selbst entscheiden kannst und andere dich auswählen. So verhält es sich mit diesem Buch. Es wollte einfach geschrieben werden. Damit du sein Anliegen verstehst, möchte ich gern seine Geburtsstunde mit dir teilen.

Meine Frau Andrea und ich trafen uns im Mai 2015 zum Lunch und Arbeitsmeeting in einem unserer Lieblingsrestaurants. Als ich mich gegen Ende noch einmal zur Toilette begab, wurde ich unfreiwillig Zeuge einer intimen Szene. Ein Mann, Mitte 40, half seinem ca. 18jährigen, offensichtlich mental und körperlich gehandicapten Sohn auf eine berührend zarte, liebevolle und völlig selbstverständliche Art, sein „kleines Geschäft“ zu erledigen. Die Situation strahlte eine unfassbare Hingabe und Demut aus. Als ich wieder herauskam, wurde ich ganz still und musste weinen. Wir bezahlten unsere Rechnung und ich kehrte verzaubert und nachdenklich an meinen Arbeitsplatz zurück. Im Laufe der nächsten Stunden ließ mich das Bild einfach nicht los. Ich musste an die Wunschbilder denken, die diesen Mann wahrscheinlich vor der Geburt seines Sohnes begeistert hatten und die dann an der Realität zerschellten. Träume vom ersten Fußballspiel mit seinem Jungen. Die Vorstellung, mit ihm wandern zu gehen, über seine Freundinnen zu sprechen, vielleicht einmal gemeinsam in einem Unternehmen zu arbeiten.

4

Unser Leben ist so kostbar und manchmal ist es auch gnadenlos. Gerade noch träumst du den Traum einer perfekten Familie und einen Augenblick lässt dich ein einziges, lächerlich winziges, minimal defektes Chromosom grausam erwachen. Ich habe mir oft versucht vorzustellen, wie ich in so einem Moment reagieren würde und natürlich geht das nicht. Ich kenne jene peinliche Unbeholfenheit eines nicht Betroffenen… dem im Park eine Mutter begegnet, die ihr Kind, was so alt ist wie du, unansprechbar, unbeweglich im Rollstuhl liegend, still und hingegeben vor sich herschiebt. Ich habe dabei oft einen irritierenden Mix aus unbeholfener Scham und ehrlichem Interesse gespürt.

„Schaue ich hin? Schaue ich weg? Gehe ich weiter? Spreche ich an? Stelle ich meine Fragen?“

Vielleicht kennst du das ja auch. Wie gehst du damit um? Ich habe das große Glück hatte, durch meine Coachings und Ausbildungsklassen einige betroffene Menschen näher kennenzulernen und so einen tieferen Einblick in ihre stillen Heldengeschichten gewinnen zu können. Denn das sind diese Eltern, Angehörigen und Pflegenden für mich – wahre Helden des Alltags. Sie üben keine so spektakuläre Faszination auf uns aus, wie die Superheros auf der Leinwand. Doch sie bewältigen tagtäglich Herausforderungen, vor denen Superman davonlaufen würde. In dem sie (Un)menschliches leisten, erinnern sie uns alle daran, zu was Menschen fähig sind. In einer leistungs- und imageorientierten Gesellschaft, in der leider immer noch zwanghaft all jenes in die schattigen Randbezirke verdrängt wird, was nicht unseren Standards von Schön-Jung-Funktionstüchtig entspricht, haben sie sich entschieden – oft unfreiwillig – auf eine Weise zu dienen, die mich still werden lässt, wann immer ich auch nur versuche, mir ihren Alltag vorzustellen.

Ich empfinde schon lange eine tiefen Respekt sowohl für jene Menschen, die ihr Leben in einem stark gehandicapten Körper oder Geist verbringen und für jene, die sie so hingebungsvoll schützen und lieben. Doch an diesem Nachmittag im Mai empfand ich es noch einmal anders. Es war, als dürfte ich zwei Engeln bei ihrem Wirken zuschauen. Später am Abend verfasste ich darüber auf Facebook einen Post. Nichts Besonderes. Ich wollte einfach meine Gefühle teilen. Drei Tage später rieb ich mir erstaunt die Augen, als ich die Zahlen auf Facebook sah. Bis dahin hatten über 5 Millionen Menschen den Post gelesen. Er war über 100.000 gelikt und mehr als 2000 mal kommentiert worden. Meine Fans sind üblicherweise sehr aktiv. Doch so etwas hatte ich bis dahin noch nie erlebt.

Sehr viele selbst betroffene Menschen und Angehörige von Pflegeberufen meldeten sich zu Wort. Viele teilten die wunderschönen Fotos ihrer Kinder. Auch gehandicapte Personen schreiben über ihre Erfahrungen. Meine Liebste und ich lasen all die bewegenden Schilderungen und ließen uns davon berühren. Ca. eine Woche später, während einer Meditation, erschien es vor meinem inneren Auge – das Buch. Es wollte geschrieben werden und brachte seinen Titel auch gleich mit, „Human Angels“. Wir wollen mit dem Titel keineswegs physische und geistige Handicaps mystifizieren oder gar glorifizieren. Ich weiß aus ehrlichen Gesprächen mit betroffenen Freunden und Klienten auch um die dunklen Stunden der bitteren Verzweiflung, der ratlosen Erschöpfung und der wütenden Fragen. Doch was uns beim Lesen der vielen Berichte besonders auffiel, war die fast vollständige Abwesenheit von Klagen über das schwere Schicksal. Auffällig viele Familienangehörige beschrieben das Geschenk, welches ihre „besonderen“ Kinder in ihr Leben brachten. Oft nannten sie ihr Kind einen Engel, der sie lehrt, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

6

Es ist ein Herzensprojekt. Menschen kommen zusammen und berichten spontan, wie es ihnen mit dieser besonderen Herausforderung ergeht. Wir möchten mit diesem Buch auf keine Mitleidsdrüse drücken. Wir möchten dir, wenn du nicht betroffen bist, mit diesen ungeschönten und gerade dadurch oft so wundersamen Berichten eine hoffentlich bewusstseinserweiternde Perspektive auf das Leben anbieten. Ich weiß nicht, ob es Engel gibt, so wie sie in der Bibel beschrieben werden. Doch ich glaube, wir sehnen uns alle danach, die Welt hin und wieder in demselben unschuldigen Zauber betrachten zu können, wie wir es als Kinder taten.

Vertrauensvoll. Nicht wissend. Nicht bewertend.

Wenn wir unser Herz für Menschen und Tiere öffnen, die nicht unserem Raster von Schön-Stark-Richtig entsprechen, werden sie unsere Lehrer. Sie offenbaren uns das Geheimnis wahrer Schönheit. Sie enthüllen eine Vollkommenheit des Lebens, die sich unseren menschlichen Urteilen entzieht. Wir nennen diese auf ihre Weise besonderen Menschen menschliche Engel, weil sie uns, wenn wir uns von ihnen führen lassen, an DAS große, unbekannte Mysterium jenseits unserer kleinen Konzepte von „richtig“ und „falsch“ erinnern.

Sie sind Brücken ins Beyond. Ihr Blick ist rein. Sie wirken wie Engelwesen, ein bisschen nicht von dieser Erde. Sie sind gesandt, uns an das Pure zu erinnern. An pure Unschuld. An pure Freude. An pure Wut. Egal was, alles pur. In dem wir uns ihnen hingeben, wird unsere Liebe zu einem Feuer, in dem das kleine Ich stirbt. Übrig bleibt nicht Nichts, sondern Alles.

3

Unser Wunsch ist, dass dieses Buch uns alle einlädt, unsere Überzeugungen zu hinterfragen: Was macht ein gut gelebtes Leben aus? Was bedeutet es zu lieben? Was ist lebenswert und was nicht? Was bleibt übrig, wenn wir alles geben? Was ist der tiefste Zweck unseres Daseins? Worin besteht wahre Freiheit? Was ist der Unterschied zwischen menschengewollter Perfektion und natürlicher Vollkommenheit?

Wir wünschen uns auch, dass dieses kleine Buch uns alle darin schult, den Menschen, die in diesen Bereichen dienen – als Angehörige oder in Pflegeberufen – mit noch mehr Respekt, Mitgefühl und tatkräftiger Unterstützung zu begegnen. Wenn dich das Thema persönlich betrifft, auf der dienenden oder der gehandicapten Seite, mögen dich die Berichte daran erinnern, dass du nicht allein bist.

Mögen sie dir Mut machen, auf andere Menschen zuzugehen, sie aufzuklären und um Hilfe zu bitten. Uns ist selbstverständlich klar, dass es noch viele andere Bereiche unserer Gesellschaft gibt, die dieselbe Aufmerksamkeit verdient haben und dass sehr verschieden wirkende Engel in menschlicher Form über diese Erde wandeln. Doch dieses Buch hat uns eine klare Richtung vorgeschlagen und der sind wir gefolgt.

Projekte, die sich mit Krankheiten, Behinderungen oder dem Tod beschäftigen, haftet oft das unausgesprochene Stigma an, nicht erfolgreich sein zu können, weil sie sich mit ungeliebten Aspekten des Lebens beschäftigen. Auch wenn dieses Buch ein absolutes Herzensprojekt ist, wünschen wir uns, dass es von vielen Menschen gekauft und gelesen wird. Zum einen, um Aufklärung zu leisten, aber auch, um konkret helfen zu können.

Jeglicher Gewinn fließt zu 100% in die „ichliebedich“-Stiftung ein und wird von ihr an allgemeinnützige Organisationen vergeben, die sich Kindern mit Handicaps und ihren Familien widmen. Ich wünsche dir ein Lesen mit offenem Verstand und fühlendem Herzen. Danke, dass du dich berühren lässt.

In stiller Verbundenheit, Veit

DAS BUCH BESTELLEN

GERNE TEILEN:

  

Schreib einen Kommentar:

Wir freuen uns über den Austausch in den Kommentaren. Wenn du eine direkte Frage an uns hast, dann schreibe sie bitte direkt an: service@lifetrust.info.

Veits Blog

Darf es einfach sein?

Oft höre ich Menschen (und manchmal auch
Mehr erfahren …

Die Kraft der Liebe

Vortrag und geführte Meditation. Die Kraft der
Mehr erfahren …